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© Museumszentrum Quadrat Bottrop

51. Jahresausstellung Bottroper Künstler:innen

29. November 2026 bis 11. Januar 2027

Alle in Bottrop geborenen, ansässigen oder arbeitenden Künstlerinnen und Künstler haben einmal im Jahr die Gelegenheit, ihre Werke im Museumszentrum Quadrat zu präsentieren. Die Auswahl erfolgt durch eine Jury – zusammengesetzt aus Vertreter:innen der Stadt, Künstler:innen sowie Kunsthistoriker:innen.

Einzelpräsentation im Rahmen der Jahresausstellung

Guido Hofmann. unfinished business. Zwischen Werken und Visionen 

Der Bildhauer und Materialplastiker Guido Hofmann (1964–2026) konzipierte die Einzelpräsentation, die ihm Ende 2025 im Rahmen der 50. Jahresausstellung Bottroper Künstler:innen im Museums­zentrum Quadrat zugesprochen wurde, noch weitestgehend selbst. Unveröffentlichte Werke werden durch Modelle oder nach Plänen des Künstlers ausgearbeitete Skulpturen ergänzt. Wenige bekannte Arbeiten aus Hofmanns Repertoire vervollkommnen die Präsentation aus Glas, Farbe und Licht. 

Der Wahl-Kirchhellener schloss seine Lehre als Steinbildhauer 1986 mit dem Gesellenbrief ab. 1997 entschied sich Guido Hofmann, haupt- und freiberuflich als Künstler zu arbeiten. 2002 wurde er Meisterschüler von Agustín Ibarrola. Die Begegnung mit dem baskischen Maler und Bildhauer bedeutete dabei einen Meilenstein für den Ruhrgebietskünstler, der sich bis dahin in seiner Arbeit auf das Material Stein konzentriert hatte. Zudem pflegt und bewahrte Guido Hofmann die im selben Jahr auf der Halde Haniel aufgestellten „Totems“ von Agustín Ibarrola – eine eindrucksvolle Installation aus über einhundert farbig gefassten Eisenbahnschwellen. Die höchste frei zugängliche Halde ist seitdem eine Landmarke, die weit über das Ruhrgebiet hinaus strahlt. Die scheinbaren Gegensätze des einstigen Industrieraums und der Natur werden durch die Kunst zu einer Einheit und sind gleichzeitig ein spannender Kontrast. Leitmotive, die für Guido Hofmanns gesamtes künstlerisches Werk gelten.

Guido Hofmann, Snowballs, 2025 | … Tischtennisball, 2025 [SpongeBob], Skulpturen PE-Material© Museumszentrum Quadrat Bottrop

Guido Hofmann hat die verbindenden Elemente von Kunst im öffentlichen Raum – von Industrie(mate­rialien) und Natur – erkannt und für seine Kunst genutzt. Die Materialien seiner Heimat wie Stein, Holz, Stahl, Beton und Kunststoffe können auch einen Platz im Hier und Jetzt haben, mit einem spezifischen Ort zur Einheit werden und vor allem Menschen über Grenzen hinweg verbinden.
Dieser soziale Aspekt der Kunst war Guido Hofmann immer wichtig. So hat er sich als 2. Vorsitzender im Künstlerbund Bottrop und dem WBK Forum Kopstadtplatz Essen für die Belange anderer Künst­ler:innen engagiert. Über Jahre war er als Dozent für Jugend-Kunstschulen und Akademien tätig, denn für Hofmann war künstlerische Praxis immer auch soziale Praxis. 

Guido Hofmann war ein Schwergewicht unter den Bottroper Künstler:innen. Seine Skulpturen kann selten eine Person allein bewegen, vielmals ist schweres Gerät notwendig. Unter seinen lokalen Kunstprojekten in Bottrop ist gewiss der „Goldene Schnitt“ das eindrücklichste Werk. Seit 2007 steht es am Kulturzentrum der Stadt. Entgegen der 6,5 Tonnen Gewicht und einer Höhe von 13 Metern wirkt es sehr viel filigraner als die Werte vermuten lassen. Ein Merkmal, das bei seiner Kunst besonders im Umgang mit Stahl charakteristisch ist. 

In den vergangenen 25 Jahren beteiligte sich Guido Hofmann regelmäßig an der Jahresausstellung und war häufig unter den Bottroper Künstler:innen im Museumszentrum Quadrat vertreten. Bezeich­nend steht seine Beteiligung 2022. Es ist wieder der Umgang des Bildhauers mit dem Stahl, der faszinierte. Die drei über zwei Meter hohen Stahlskulpturen Der „Stier“, „Global“ und „Exploration“, die wie Strichzeichnungen angelegt sind, nahmen trotz ihrer filigranen Erscheinung die gesamte Freifläche der Moderne Galerie ein und füllten den Raum auf besondere Weise aus. 2025 haben die beiden farbintensiven Kunststoffobjekte die Jury überzeugt. Der gelbe „Tischtennisball“ (SpongeBob) und der blaue „Snowball“ sind zwei Behälter aus Polyethylen, die mit Hitze in ihre Form gebracht und von innen beleuchtet sind. Das Licht und die Farbe gehen weit über die Größe der einzelnen Skulptur hinaus.  

Mit seiner aktuellen Präsentation wollte Hofmann den eingeschlagenen Weg, intensiver mit Farbe und Licht zu arbeiten, weiterverfolgen. Zum ersten Mal begegnen in „unfinished business. Zwischen Werken und Visionen“ den Besuchenden drei Glasskulpturen. Es sind massive Glasplatten, die der Künstler in der Manier eines Bildhauers gesägt, gefräst, geschliffen, poliert und mit Feuer geflammt hat. Sie sind von außen beleuchtet und Stand gibt ihnen wie selbstverständlich ein Rahmen aus Stahl. – Die Arbeit „Der Ursprung des Lebens“, die Guido Hofmann im Rahmen eines Skulpturen-Workshops der ‚Manifesta 16 Ruhr+‘ geplant hatte, wird ebenfalls erstmals fertiggestellt präsentiert. Inspiriert durch die Elemente Feuer, Wasser und Licht ist eine farbenfrohe, in den Raum wachsende Skulptur entstanden. Indem jede:r Teilnehmende ein eigenes Element einbrachte, ist ein kollektives Kunstwerk gewachsen. Neben dem künstlerischen Aspekt war dem Menschen Guido Hofmann der wesentliche Gedanke das gemein­schaftliche Erleben, der Austausch und die Zusammenarbeit. Der Materialplastiker und Bildhauer wollte Kunst und Menschen zusammenbringen. So zeigt die aktuelle Ausstellung in der Studio-Galerie des Quadrats auch weitere Visionen des Künstlers, wie die Installation „Wellenbrecher“ (Modell 2020/21) und einen „Spielplatz“. Guido Hofmann glaubte und vertraute der verbindenden Kraft der Kunst.  

Der Eintritt in diese Ausstellung ist frei.